Die Finanzkrise hat gezeigt, dass wir eine starke EU brauchen.

Bildschirmfoto 2014-05-14 um 10.02.22

 

 


von Marc Bauder, Dokumentarfilmer.

Laut einer Umfrage halten selbst mehr als 50% der Aktienhändler an der Wall Street den Hochfrequenzhandel für schädlich – also das Kaufen und Verkaufen innerhalb von Millisekunden. Und trotzdem geht es weiter.

Während man auf Babynahrung und Arznei Mehrwertsteuer bezahlt, ist das bei Finanzprodukten noch immer nicht der Fall. Warum?

Große internationale Konzerne wie google, apple und amazon nutzen Steuerkarusselle in Europa, um ihre Steuern zu optimieren und wir schauen zu.

Und aus einer Bankenschuldenkrise in Europa ist eine Staatsschuldenkrise geworden – die Finanzplätze Frankfurt, Paris und London wurden dank staatlicher Rettungspakete für die überschuldeten Staaten gerettet.

Wer jetzt noch der Meinung ist, das der Markt sich selbst regelt, wenn man ihn nur lässt und wir in einer globalen Welt weniger Regulierungen brauchen, hat nichts verstanden. Umso unverständlicher ist für mich, dass bei vielen in der Politik noch immer die von der Finanzlobby geschürte Drohkulisse wirkt, dass bei zu viel Regulierung Investoren aus Europa abwandern werden. Wie viele das sein werden und wohin sie gehen, wird dabei nicht erwähnt. Das Wissen über eine potentielle Gefahr reicht schon aus, um im Status Quo zu verharren oder mit kleinen Verbesserungsmaßnahmen die Risse im Gebäude zu kitten.

Wie viele Warnungen und Krisen brauchen wir noch?

Wir können nicht verhindern, dass gewisse destabilisierende und von kurzsichtigem Profit getriebene Geschäfte auf der Welt erlaubt sind, aber wir können es unterbinden, dass manche dieser Finanzprodukte in der EU gehandelt oder vertrieben werden. Wer Geschäfte ohne Moral machen will, muss dann in semi-demokratische Länder wie Singapur etc. ausweichen, die sich schon jetzt auf eine enorm steigende Nachfrage vorbereiten. Mit dabei sind übrigens auch Tochterunternehmen aller großen deutschen Banken.

Aber wer nach Las Vegas fliegt, um zu spielen, trägt das Risiko von Verlusten selbst. Und wer dort Spielgewinne erzielt und diese zurück nach Europa transferieren will, muss das melden und versteuern. Das sollte auch für Finanzprodukte gelten.

Genauso wie das Gütesiegel „Made in Germany“, das ursprünglich Ende des 19. Jahrhunderts in Großbritannien als Schutz vor billiger Importware aus Deutschland eingeführt wurde, wünsche ich mir ein Gütesiegel für die Finanzindustrie in Europa. Dass das nicht über Nacht realisierbar ist, ist klar. Aber man hat auch in den 80ziger Jahren über die Bioläden an der Ecke gelacht und heute hat jede Lebensmittelkette ihre eigene Produktlinie, mit der sie enorme Profite erzielt.

Veränderung ist möglich. Und hat sehr viel mit uns zu tun.