Eva Menasse, Autorin

Vor einigen Wochen stand in der ZEIT der treffende Satz, dass Angela Merkel langsam an die britische Queen gemahne: Sie wird vom ganzen Land geliebt, doch eine weitaus geringere Anzahl der Deutschen befürwortet die Politik ihrer Partei, gar ihrer Koalition. Als hätte, wie bei der Queen, die Person mit der Politik gar nichts zu tun.

Das, zusammen mit dem Umstand, dass mit Peer Steinbrück ein international wertgeschätzter, erfahrener, finanzpolitisch hochkompetenter, zudem ein witziger, redegewandter und temperamentvoller Politiker in einer monatelangen, beispiellosen, schockierend gleichförmigen Medien-Schlammschlacht herabgewürdigt und lächerlich gemacht wurde, ergibt ein beunruhigendes Bild vom Zustand Deutschlands. In Griechenland und Spanien ringen ganze Generationen ums Überleben, rundum in Europa wächst der Rechtsextremismus bedrohlich an, aber hierzulande hockt man ängstlich auf seinem vergleichsweise gigantischen Reichtum und fürchtet sich schier zu Tode – als wäre die Zukunft nicht allezeit ungewiss.

Den Ängstlichen geht es nicht mehr um Politik, sondern um Pose. Und die Pose der Angela Merkel ist, das muss man anerkennen, fehlerlos und unüberwindlich. Solange sie das Gesicht nicht verzieht, wird, so hoffen die Deutschen, schon nichts wirklich Schlimmes passieren. Doch Politik ist vom Menschen gemacht, kein Naturgesetz, wo der losgelassene Apfel immer, „alternativlos“,  Richtung Erdmittelpunkt strebt. Und deshalb wird ihre Strategie der allerkleinsten, zögernden Schrittchen irgendwann ein Ende finden. Irgendwann, bald, wird offensichtlich werden, dass auch Deutschland bluten muss für das Euro- und Bankendesaster, zugunsten nämlich des Weiterbestands eines demokratischen und vereinten Europas. Und Frau Merkel ist, etwa in der Sportart Verhandlungsmarathon, gewiss eine Spitzenleistungsträgerin, aber was sie nicht kann, ist die überfällige „Hauruck-und-Ärmel-Hoch“-Rede. Der „Reißt-euch-endlich-zusammen-und-hört-auf-zu-jammern“-Appell.

Deshalb ganz klar: Rot oder Grün! Das sind, nur zur Erinnerung, die, die damals die Sozialsysteme reformiert haben, wovon wir heute profitieren. Das sind die, die aus Überzeugung den Atomausstieg eingeleitet haben, und nicht, wie Schwarz-Gelb, ihren nassforschen „Ausstieg aus dem Ausstieg“ panisch zurücknehmen mussten, weil es eben doch möglich ist, dass so ein bombensicheres Atomkraftwerk explodiert. Rot-grün, damit sich wieder etwas bewegt in diesem Land – angefangen beim Gesicht des nächsten Kanzlers.