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Illja Trojanow, Schriftsteller

Ein Duktus der folgenlosen Empörung hat sich eingebürgert, in etwa so wie die Tiraden des gemeinen Bürgers über den Stau, dem er auf der Fahrt in den Feierabend ausgeliefert ist. Die öffentliche Debatte bleibt zahm, weil sie unter einem Tabu leidet. Wir diskutieren stets, in welchem Maß umverteilt werden soll (besonders beliebt die Debatte um den Höchststeuersatz), nicht aber, ob Demokratie mit Vermögenskonzentration überhaupt vereinbar ist. Wir streiten uns um kosmetische Operationen, statt eine grundsätzliche Heilung anzustreben. […]

Die enorme Ungleichheit als gesellschaftliches Problem wird mit der Schutzbehauptung weggewischt, die Privilegien der Wenigen verurteilten keineswegs die Besitzlosen zu einem Leben voller Gefährdungen. Wohlstand sei kein Nullsummenspiel. Doch selbst wer den kausalen Zusammenhang zwischen Armut und Reichtum leugnet, wird das historische Faktum nicht abstreiten können, daß materielle Ungleichheit zu sozialen Konflikten führt. Statt dies zu problematisieren, erklärt eine Armada von Analysten der Öffentlichkeit mit der Regelmäßigkeit einer Gelddruckmaschine, das Wohl der Wenigen komme der Mehrheit zugute (der Trickle-Down-Effekt), was empirisch so sehr bewiesen ist wie die unbefleckte Empfängnis.

Illja Trojanow