Matthias Rischau: Lieber Pierre, liebe Künstlerinnen und Künstler,

bevor ich mich im Dezember 2009 zum COP15 nach Kopenhagen aufmachte, um für eine klimaneutrale Gesellschaft zu kämpfen, traf ich mich mit Aktivisten von tcktcktck, 350.org, 1010.org, rainforest action network und manchen mehr. Ich wollte sie von einer einheitlichen Symbolik überzeugen, die alle Menschen mit dem gemeinsamen Ziel vereint, den Klimawandel zu stoppen. Die Symbolik besteht aus 2 grünen Streifen im Gesicht, einer steht für ‚ich handel, um CO2 zu reduzieren‘ (do) und der andere steht für ‚ich überzeuge andere, CO2 zu reduzieren‘ (convince). Ich war es satt, immer wieder den Beteuerungen zu lauschen, was man alles so tun müsse um den Klimawandel wirksam zu bekämpfen. Ich stand häufig verwirrt neben zig Tausenden Menschen der Anti Atom Bewegung, die im Grunde genommen gegen sich selbst als Kunden der großen Strom Firmen demonstrierten. Ich scheiterte mit einer gemeinsamen Symbolik.

Doch daraus entstand die Kunstaktion ‚THE GREEN PATH‘ (it starts with me and you), bei der wir private Handlungen gegen den Klimawandel sichtbar machen, um andere zur Nachahmung zu inspirieren- durch Vorbilder. Denn es hat keinen Sinn gegen Politiker zu demonstrieren, die von uns dennoch gewählt werden oder auf Unternehmenswandel zu warten, solange wir deren Produkte massenhaft konsumieren. Jede und jeder von uns hat die Möglichkeit und die Verpflichtung bei sich selbst anzufangen, um CO2 zu reduzieren, und hat die Macht, seine Freunde davon zu überzeugen. Und genau bei diesem Lösungsansatz treffen wir uns:

„Dabei bin ich bei mir selber angekommen … Let´s work together!“ (Pierre).

Es zählt zuerst die Verpflichtung zur eigenen Handlung, und die leitet sich aus einer uralten Erkenntnis von Abraham Heschel ab: „Der Mensch muss lernen, dass der Sinn des Lebens ist Beispiel zu sein. Er sollte erkennen, dass eine Hälfte der Menschheit halb schuldig und die andere halb verdienstvoll ist. Eine einzige Tat kann die Waage aller menschlichen Handlungen auf die Seite des Verdienstes oder auf die Seite der Schuld neigen. Jeder Mensch hat zu allen Zeiten teil an der Erlösung oder an der Zerstörung der Welt.“

Doch obwohl sich jeder von uns Reichen die verheerenden Folgen unserer Beutezüge durch Bücher, Zeitungen, Filme, im Fernsehen, im Internet, auf Demonstrationen und durch tägliche persönliche Beobachtungen vor Augen führen kann, zweifelt der überwiegende Teil unserer Kaste noch daran, dass diese Folgen tatsächlich eintreten werden. Die Menschen schauen lieber weg und hoffen fehl. Das ist genauso falsch, einfach und bequem, wie auf die Ansagen von Politikern zu warten oder unter dem Dogma zu leben, ‚ich kann ja sowieso nichts machen‘. Die Politiker können und werden nur dann etwas verändern, wenn sie auch das Volk dafür haben. Und das Volk sind wir. Wir, Du und ich, brauchen schnellstens ein verändertes Bewusstsein, durch das wir unsere Macht erkennen, etwas Wahrhaftiges zur Rettung der Menschheit beizutragen, unsere eigenen Handlungen.

Weitere Informationen:
www.thegreenpath.org
https://www.facebook.com/thegreenpath (Ausstellungen/ Interviwes etc siehe 2011)
http://www.youtube.com/watch?v=y2ayxY1vfJA (Rede bei Utopia zu The Green Path – holprig aber von Herzen)

Am Samstag treten Seeeed und Revolveheld bei der ‚Energiewenden nicht kentern lassen‘ – Demo auf. Lasst uns ein Zeichen setzen und alle Demonstranten und Fans aufrufen, zu Ökostrom zu wechseln. Denn die wichtigste Demonstration für die Energiewende, die jede und jeder selbst unternehmen kann, ist der eigene Wechsel zu Ökostrom. Dafür malen wir sie mit einem grünen Streifen an. Und dann rufen wir sie auf, eine oder einen zu finden, die oder den sie überzeugen dasselbe zu tun -eine Handlung, die nachgemacht wird, verdoppelt die Ersparnis an CO2-. Das ist eine konkrete Lösung. Dafür können sie sich selbst einen 2. grünen Streifen ins Gesicht malen und der oder dem anderen ihren 1. Ich bringe die Farben und Pinsel mit. Und bevor Ihr auf die Bühne geht, male ich Euch, seeeed und Revolverheld, 2 grüne Streifen ins Gesicht, für Euren Einsatz für regenerative Energie und für Eure Auftritte als Inspiration, CO2 zu reduzieren.

Ich freue mich auf eine Reaktion, so oder so.

Und wenn ich Euch bei ‚es geht auch anders‘ helfen kann, dann lasst es mich wissen. Wir hätten Euren Schalldruck schon 2009 gebraucht, denn zu diesem Zeitpunkt war der Klimawandel ein wichtiges Thema auf der politischen Agenda.

Es ist gut, dass es Euch gibt,
herzliche Grüße und Rock`n Roll,
Matthias Rischau.

P.S. Bitte vergesst bei Euren Recherchen nicht, dass alles über den Klimawandel schon geschrieben und gezeigt wurde von tausenden Menschen auf der ganzen Welt, die sich seit Jahren oder Jahrzehnten damit beschäftigen.