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Moritz Rinke, Autor

Die Legende von Ugu, Mabu und Bubu / Unterwegs mit der Kanzlerin

Rückflug vom Millenniumsgipfel in New York. Angela Merkel bereitet gerade ihre nächste Rede vor. Plötzlich schlimme Ozonwinde aufgrund der Treibhausgase und nicht eingehaltener Emissionswerte. „Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, wer bezahlt eigentlich die Regierungsmaschine?“, fragt der Pilot.

„Der Steuerzahler. Wieso?“, fragt Merkel. „Weil das Ding gleich ins Meer stürzt! Was für ein scheiß Wetter!?!“ – „Und was ist mit mir?“, ruft Merkel noch, aber da wird sie schon mit einem Hightech-Tandemfallschirm herausgeschleudert. Sie schwebt jedoch mit ihrem Regierungssprecher nicht runter, sondern wird vom Ozonwind schräg nach Süden geblasen und landet im Buschland von Masai-Mara.

„Wo sind wir ?“, fragt Merkel. „Im Wald“, antwortet der Regierungssprecher.

Fünf Stunden später hat die Bundeskanzlerin Hunger. „Fang mal was“, sagt sie.
Der Regierungssprecher wirft mit Merkels Terminkalender nach einem Gecko, trifft aber nicht.
Zehn Stunden später kommt ein Buschmann vorbei. „Haben Sie etwas zu essen?“, fragt der Regierungssprecher. „Leider nein“, sagt der Buschmann.

Zwanzig Stunden später kommt der Weise des nächsten Dorfes vorbei. „Na nu!“, sagt er. „Die deutsche Bundeskanzlerin!“ „Na, endlich mal jemand Schlaues!“, ruft Merkel. „Wir sind hier zufällig auf Staatsbesuch und kommen vom Millenniumsgipfel der Vereinten Nationen.“

„Haben Sie Hunger?“, fragt der Weise. „Oh, ja“, antwortet die Kanzlerin schon ganz erfreut.

„Wir schenken Ihnen unseren letzten gebratenen Maiskolben, wenn Sie erklären, warum Sie nur 0, 37 Prozent des Bruttoinlandsproduktes als Entwicklungshilfe geben, wo doch Dänemark, Luxemburg, Holland, Norwegen und andere schon 0, 7 Prozent abgeben?“ „Meine Güte, ist der aber informiert!“, flüstert der Regierungssprecher. „Was soll ich denn jetzt sagen?“, flüstert die Kanzlerin zurück. „Ich hab´ mich in New York auf unseren Sitz im UN-Sicherheitsrat konzentriert und nicht auf Entwicklungshilfe! Wo ist der zuständige Minister Niebel??“ „Vom Winde verweht“, bemerkt der Regierungssprecher.

„Also, wir haben auch Probleme in Deutschland“, sagt die Kanzlerin. „Wir mussten mit Milliarden Banken retten!!

„Ist es besser, Banken zu retten als Menschen?“, fragt der Dorfweise.„Oh, da muss ich Ihnen nun ein Wort zur Globalisierung sagen: Wer die Banken rettet, rettet die Menschheit!“ „Das verstehe ich nicht“, sagt der Dorfweise. „Erklären Sie´s ihm“, sagt Merkel zum Regierungssprecher, der eine kurze Zeit nachdenkt und dann sagt:

„Es waren einmal Ugu, Bubu und Mabu. Ugu leiht Bubu Geld. Bubu leiht es Mabu. Bubu verkauft Mabus Schulden an Ugu. Ugu versteckt sie in einem hoch verzinsten Wertpapier und verkauft sie zurück an Bubu. Mabu hat von dem Geld von Bubu eine Baumwollplantage gekauft. Es brennt. Es hagelt. Mabu geht pleite. Bubu geht pleite. Ugu auch.“„Sehr interessant“, sagt die Kanzlerin, „jetzt hab´ ich´s endlich mal selbst begriffen! Aber was ich immer noch nicht kapiere: Ugu, Mabu und Bubu sind ja in Wirklichkeit Banken und wenn die am Ende pleite gehen, wieso gibt´s dann immer noch Boni??“

Der Weise ist spätestens bei den hoch verzinsten Wertpapieren entsetzt weggelaufen. Drei Tage später liegt der Regierungssprecher im Delirium und träumt von Mainz, wo er herkommt. Merkel ist auf den größten Buschbaum geklettert und brüllt und brüllt: „Warum gibt es BONI?? WARUM GIBT´S DENN BONI?!!?? UND WO IST DER MAISKOLBEN?!?!?“

Keine Antwort.

Erscheint im nächsten Buch „Erinnerungen an die Gegenwart“, Kiepenheuer&Witsch Verlag, Februar 2014