Sascha Düerkop: Gebt jedem seinen Platz in dieser Welt!

Nach wie vor gibt es Menschen auf dieser Welt die niemals Teil einer Gesellschaft werden durften. Es gibt weltweit etwa 5,3 Millionen Bürger von Staaten, die, teils seit 20 Jahren, nicht anerkannt werden (wie Bergkarabach, Transnistrien, Südossetien, Abchasien, Westsahara, Somaliland oder Nordzypern).
Die Staaten sind vielen ein Begriff und werden immer wieder in Politik und Gesellschaft diskutiert. Ein Punkt jedoch wird konsequent vergessen: Die 5,3 Millionen Menschen die dort leben.

Ich arbeite für den Fußballverband „ConIFA“ der sich auf Nationalmannschaft solcher Staaten, sowie von Minderheiten und besonderen Regionen, spezialisiert hat und Weltmeisterschaften zwischen eben jenen Menschen austrägt.
Im Zuge dessen war ich in Abchasien und Bergkarabach und kenne natürlich auch zahlreiche Nordzyprioten, Somalilander, Transnistrier, etc.
Sie alle haben einen gemeinsamen Wunsch: Sie wollen endlich von der Welt gesehen werden. Sie wollen reisen dürfen, sie wollen die Möglichkeit haben im Ausland zu studieren oder an Konferenzen teilnehmen zu dürfen!
Ich habe Abchasier getroffen die in Moskau studiert und promoviert haben, denen es aber, trotzt Einladungen, nahezu unmöglich ist in die EU zu Konferenzen zu reisen.
Somalilander, Südossetien oder Nordzyprioten werden immer nur als „Rebellen“ wahrgenommen, unabhängig davon wer sie persönlich sind.

Heutzutage kämpft Europa dafür Menschen unabhängig von ihrem Pass zu behandeln. Dabei werden jedoch die „nicht-anerkannten“ stets vergessen.
Die zentrale Frage ist doch: Was kann eine Einzelperson dafür in einem Staat geboren zu sein, den Europa nicht anerkennt ? Und wieso sollte man jeden Bürger dieses Staates deshalb kategorisch ausschließen ?

An der ersten WM unseres Verbandes, im schwedischen Östersund, haben nach monatelangen diplomatischen Kämpfen Abchasier, Südosseten und Bergkarabacher teilnehmen dürfen – auch wenn die EU teilweise den Kader auf die Hälfte zusammengestrichen hat da Visa verwehr wurden.
Für jeden Einzelnen der aus diesen drei „Staaten“ bei der WM auflaufen durfte bedeutete diese Teilnahme mehr als die Chance auf Spitzenfußball. Es war vielmehr ein unfassbarer Stolz endlich Teil der Welt zu sein – oder zumindest zu wissen, dass auch andere sie akzeptieren.
Exemplarisch für die überwältigenden Gefühle die durch dieses Gefühl des dazugehörens ausgelöst wurden habe ich das Video von George Kulov aus Südossetien angehangen.
Das Video hat in mir jedenfalls Freude und Leid ausgelöst. Freude, dass wir den Menschen solch eine Chance bieten konnten und es ihnen so viel bedeutet. Und Leid weil es einfach traurig ist, dass die Akzeptanz eines Menschens immer noch so besonders sein muss.

Ich würde mir wirklich wünschen, dass auch die stimmlosen und nicht-anerkannten dieser Welt ein Thema hier werden!