Sebastian Heinzel, Filmemacher

Seit fast fünf Jahren lebe ich mit meiner Familie in einem kleinen Dorf im Nordschwarzwald. Wir sind hier mit offenen Armen empfangen worden und haben den Schritt nie bereut.

Politik fängt hier vor der Haustür an. Aktuelles Beispiel dafür ist die Diskussion um die Einrichtung eines Nationalparks. Schon seit einigen Jahren wehrt sich eine Koalition aus Holzindustrie, Lokalpolitik und einzelnen Bürgern erbittert gegen die Pläne der Landesregierung einen Nationalpark Nordschwarzwald einzurichten.

Anti-Nationalpark-Aufkleber auf vielen Autos und erschreckend viele Protestbanner am Straßenrand lassen schnell den Eindruck entstehen: hier sind alle dagegen, was faktisch nicht der Fall ist. Es ist kaum zu fassen, welche Panik die Idee erregt, nur einen verschwindend kleinen Teil des hiesigen Waldes (es handelt sich um maximal zwei Prozent der gesamten Fläche des Schwarzwalds) sich selbst zu überlassen und der kommerziellen Nutzung zu entziehen. Es ist so eine Art Stuttgart 21 – nur mit umgekehrten Vorzeichen und viel Polemik.

„Wir müssen im Nordschwarzwald dafür sorgen, dass die geordneten Verhältnisse in unseren Wäldern aufrecht erhalten bleiben“, meinte jüngst der erklärte Nationalparkgegner und CDU-Mann Hans-Joachim Fuchtel, dessen Wahlkampfplakate in der Region gerade an jeder Straßenecke kleben. Was heißt denn eigentlich „geordnete Verhältnisse in unseren Wäldern“?

Andere Bundesländer haben es längst vorgemacht, welche positiven Auswirkungen Nationalparks nicht nur für Flora und Fauna haben, sondern wie sie auch den regionalen Tourismus beleben. Statt Angst zu schüren vor der Verwilderung des Waldes, bietet ein Nationalpark die einzigartige Chance, die Ordnung des Waldes derjenigen zu überlassen, die ursprünglich mal dafür verantwortlich war: der Natur selbst. Und genau hier liegt für mich die Hauptaufgabe verantwortungsvoller Politik: das zu schützen, was uns am Leben erhält – unsere Umwelt.