Xaõ Seffcheque, Filmautor

Vermutlich lassen sich mit Themen wie ”Urheberrecht” keine Bundestagswahlen gewinnen. Aber möglicherweise lassen sich damit etliche der Künstler, die allein die SPD in den letzten Jahrzehnten an die GRÜNEN, die PIRATEN oder sogar an DIE LINKE verloren hat, zurück gewinnen.

Das es überhaupt so weit gekommen ist, ist auch insofern bedauerlich, als die Sozialdemokratie bis weit in die 70er hinein der gefühlte ”natürliche” politische Partner der Künstler war, für den engagierten Schriftsteller und das arrivierte PEN-Mitglied ebenso wie für die malenden Neuen Wilden bis hin zu den Punks.

(Ich möchte hier beispielhaft an die Veranstaltung ”Finger für Deutschland” im legendären ”Ratinger Hof” in Düsseldorf kurz vor der Bundestagswahl 1980 erinnern, bei der eine avantgardistische und dennoch populäre Allianz aus Malern wie Penck, Immendorff, Kippenberger, den Brüdern Oehlen, Knoebel, Bömmels, Musikern der Fehlfarben oder Wirtschaftswunder, und Journalisten wie Diedrich Diederichsen mit ihren Mitteln, nämlich jenen der Kunst, gegen die Wahl von F.J. Strauß und für Helmut Schmidt eintrat, ungeachtet der nicht schweren Vorbehalte gegen den damaligen SPD-Kanzler Schmidt.)

Es war nicht ungewöhnlich, dass die namhaftesten Künstler, Autoren, Filmemacher, Popstars und Journalisten Unterschriftenaktionen in Zeitungen veröffentlichten, in denen sie sich zur Politik der SPD, später dann auch der GRÜNEN bekannten.

Warum? Weil sie sich, allen Detailquerelen zum Trotz, letztlich dort aufgehoben und politisch, ideologisch (wenn wir es so nennen wollen), aber auch sozial zu Hause fühlten.

Das hat sich geändert. Und im Grunde darf es eigentlich niemanden wundern, denn aus Sicht vieler Künstler hat sich seit Hertha Däubler-Gmelin kein namhafter Politiker mehr wirklich überzeugend für uns Künstler/Urheber engagiert.

Die SPD wirkt im Kontext der Debatte um Urheberrecht, angemessene Vergütung und Beteiligung der Urheber/Künstler an den Erträgen ihrer Werke (http://www.tagesspiegel.de/kultur/internet-piraterie-buecher-stehlen-als-geschaeftsmodell/8690178.html), und Kultur-Piraterie bestürzend orientierungslos bis paralysiert. DIE LINKE duckt sich weg. Und die GRÜNEN übernehmen aus Angst vor dem Verlust der Youtube-Klientel die unreflektierten zynischen Positionen der PIRATEN.

Dabei sind diese Themen genau betrachtet doch ureigenstes linkes Territorium. Um dieses wirkungsvoll zu beackern, müsste die Parteien jedoch erst einmal wieder an die Künstler ran, hautnah sozusagen, und nicht in ihrer Wahrnehmung durch Lobbyisten von Kulturverwertern, wie beispielsweise Google oder Microsoft gefiltert und beeinflusst.

Dazu müsste allerdings innerhalb der Politik mal jemand auf die Idee kommen, Menschen wie uns, die tagtäglich (ja, tagtäglich) ”urheben”, zum Thema zu befragen: Ich gebe meine ausgesprochen vielfältigen und umfassenden Erfahrungen aus mehr als 30 Jahren als Komponist, Textdichter, Journalist, Film- und Theater- und Hörspielautor und Regisseur gerne an jeden Politiker weiter, der sich konstruktiv und unvoreingenommen damit beschäftigen will.

Und ich bin überzeugt, dass ich nur einer aus einer ganzen Reihe vieler Künstler bin, die nur darauf warten, dass man auf sie zukommt und ihnen – glaubwürdig – die Hand reicht. (Aus einer solchen Handreichung könnte ja dann vielleicht sogar irgendwann ein Schulterschluss werden.)

Dennoch, wie eingangs festgestellt: Mit diesen Themen lassen sich direkt kaum Bundestagswahlen gewinnen. Aber womöglich indirekt. Denn Künstler sind im medialen Zeitalter mehr denn je wichtige Multiplikatoren und Meinungsmacher.

Es ist an der Zeit, dass die Politik dies (wieder) erkennt und die richtigen Schlüsse daraus zieht. Oder sie wird die Rechnung schneller präsentiert bekommen als sie glaubt…